Unterm Messer: Doppelkinn und Tränensäcke sind Karrierekiller. Immer mehr Top-Manager machen sich deshalb beim Chirurgen fit für den Konkurrenzkampf - Vogue

News-Beitrag vom: Erstellt am Dienstag, 06. Juli 2004

Der Mann war im besten Alter, aber in der denkbar schlechtesten Laune, als er die Praxis des spanischen Schönheitschirurgen Dr. Jesus Vazquez in Madrid betrat. Während er sich mit der linken Hand hektisch an der Nase zupfte, zog er mit der rechten einen Revolver.

"Dafür wirst du büßen!" schrie er. Dann schoss er zwei Arzthelferinnen nieder, meuchelte den Doktor und tötete sich selbst. Motiv der Bluttat war nach Erkenntnissen der Polizei "Unzufriedenheit mit einer Nasenkorrektur". So riskant können Schönheitsoperationen sein - für alle Beteiligten.

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Unter normalen Umständen allerdings sind die Hautstraffungen im Gesicht, die Fettabsaugungen an den "Problemzonen" und die Modellpflege an Nase und Ohren pure Routine. Alle zwei Sekunden wird irgendwo in Asien, Amerika und Europa aus ästhetischen Gründen das Skalpell geführt. Allein in Deutschland lassen sich jährlich 200.000 Menschen operativ runderneuern, weil sie mit dem altersbedingten Zustand ihres Körpers nicht mehr zufrieden sind.

Immer häufiger begeben sich Männer unters Messer. Ihr Anteil am "Patientengut", wie Ärzte ihre Kundschaft gern nennen, stieg in den vergangenen zehn Jahren von vier auf 18 Prozent. "Die Enttabuisierung ästhetischer Eingriffe nimmt erschreckende Ausmaße an", freut sich Prof. Dr. Werner Mang, 45, Präsident der Deutschen Gesellschaft für ästhetische Medizin, in der 200 der 500 bundesdeutschen Schönheitsoperateure zusammengeschlossen sind.

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Das Design aus Chirurgenhand ist zu einem wichtigen Karrierefaktor geworden. "Hässlichkeit ist heute ein Luxus", sagt der spanische Skalpell-Star Gregorio Canellas. "Und den können sich nur Leute leisten, die schon alles erreicht haben." Umfragen belegen, dass gutaussehende Männer eher gute Jobs erhalten und schneller befördert werden als äußerlich abgeschlaffte Kandidaten mit Tränensäcken. Doppelkinn, Hängelidern, Knollennase und Bierbauch.

"Ein richtiger Dicker", so Ernst Heiligenthal, 43, Personalberater bei der Kienbaum-Unternehmensberatung, "hat im Top-Management kaum eine Chance." Je höher es in der Hierarchie geht, desto mehr werde Sachkompetenz durch das Erscheinungsbild ersetzt. "Ausstrahlung, Charisma, der Graue-Schläfen-Effekt." Der Chef weiß selten mehr als sein Top-Mann, aber er kommt besser rüber.

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Im Kampf um die besten Posten verlassen sich deshalb immer mehr Männer auf die Kunst der Chirurgen. Die saftigen Honorare bis zu 20.000 DM verbuchen sie als Werbeaufwendung. Schmerzen und operatives Restrisiko (in etwa einem bis zwei Prozent der Fälle gibt Komplikationen, Todesfälle sind nahezu unbekannt) nehmen sie billigend in Kauf.

Dennoch gibt es gute Gründe, die gegen eine Schönheitsoperation sprechen. Die wichtigsten:

  1. Die Partnerin wünscht, dass man anders aussieht. Beispiele hierfür: Sting (Verdacht auf Nasenkorrektur), Götz George (Nase, nach Unfall) oder Jürgen Drews (Wangen, Po).
  2. Irgend etwas gefällt einem am eigenen Gesicht nicht, man hat aber nicht die geringste Ahnung, was es ist.
  3. Man befindet sich in einer seelischen Krise und glaubt, dass ein dynamischeres Aussehen Job oder Partnerschaft retten könnte.
  4. Verschiedene Ärzte und gute Freunde haben einem glaubhaft versichert, dass ihrer Meinung nach die Probleme, mit denen man zu kämpfen hat, nicht am Äußeren, sondern im Innern liegen.
  5. Angst vor der Operation, vor den Schmerzen, vor dem Risiko.
  6. Die (meist unbegründete) Hoffnung, dass sich durch die Operation das ganze Leben zum Besseren ändert.

Ästhetische Chirurgie bedeutet einen gravierenden Eingriff in den Körper. Die chirurgische Arbeit ist sehr komplex und filigran. Der Arzt soll nicht nur ein guter Handwerker sein, sondern viel Routine und ästhetisches Gefühl haben. Ein guter ästhetischer Chirurg hat mindestens zehn Jahre Erfahrung mit dieser Art von Eingriffen. Hinter ihm liegen lange Jahre Arbeit als HNO-Arzt, Kieferchirurg oder plastischer Chirurg an einer renommierten Klinik. Die Praxis/Klinik muss über Intensivbetten für die ersten Stunden nach der Operation verfügen. Nach Meinung von Experten sind nur etwa 50 der rund 500 in Deutschland praktizierenden Schönheitschirurgen so gut, dass man ihenen sein Gesicht und seinen Körper anvertrauen kann.

Auf Anfrage schickt die Deutsche Gesellschaft für ästhetische Medizin e.V. eine Liste von empfehlenswerten Ärzten zu - erstellt in Zusammenarbeit mit der Deutschen Gesellschaft für plastische und Wiederherstellungschirurgie. Auskunft erteilt auch die jeweils zuständige Landesärztekammer.

Die wichtigsten Operationen

Ohren anlegen. Durch einen kleinen Schnitt an der Rückseite des Ohrs wird überschüssiger Knorpel entfernt, der Rest neu modelliert. Die Haut muss spannungsfrei befestigt sein, sonst biegt sich das Ohr nach sechs Monaten wieder zurück. Narkose: lokal. Klinikaufenthalt: eine Nacht, dann zehn Tage Kopfverband. Kosten: 2.500 € für beide Ohren.

Nasenkorrektur. Die Operation erfolgt durch die Nasenlöcher. Das Nasenbein wird gebrochen, Knorpel werden entfernt, die Nase wird von innen her neu modelliert. Die Nasenhaut muss nicht verkleinert oder vergrößert werden, sie passt sich dem neuen Design faltenlos an. Die Operation hinterlässt daher keine sichtbaren Narben. Vollnarkose. Klinikaufenthalt: drei bis vier Nächte, dann 14 Tage Gips. Kosten: 2.500 bis 5.000 €.

Falten unterspritzen. Das einzige weltweit zugelassene Mittel für die Behandlung ist Zyderm - ein synthetisches Rindercollagen aus einer kalifornischen Zuchtherde. Nach einem Allergietest vier Wochen vor der Behandlung werden maximal zwei bis drei Milliliter Zyderm etwa einen Millimeter tief in die Hautoberfläche eingespritzt. Die Behandlung dauert 20 Minuten. Nach einem Jahr ist soviel Collagen vom Körper abgebaut, dass nachgespritzt werden muss. Narkose: keine. Behandlung ambulant. Kosten: 750 bis 1.000 €.

Tränensäcke entfernen. Der Operateur arbeitet mit Lupe oder Mikroskop. Mit einem feinem Skalpell schneidet er etwa einen Millimeter unter den Wimpern. Dann klappt er die Haut nach unten und entfernt das überschüssige Fett. Die Blutungen werden mit einem Koagulationslaser gestoppt, bevor der Arzt das Unterlid wieder befestigt. Meistens wir genäht oder mit Fibrin geklebt. Der Eingriff dauert pro Auge 20 Minuten. Narkose: lokal. Klinikaufenthalt: drei Nächte, danach acht Tage blaues Auge. Kosten: 2.500 €.

Schlupflider entfernen. Die Narbe wird unsichtbar in der Umschlagfalte des Oberlids gelegt. Überschüssiges Hautgewebe wird entfernt, Fett mit dem Laser beseitigt. Der Eingriff dauert pro Auge zehn Minuten. Narkose: lokal. Die Operation erfolgt ambulant, danach acht Tage blaues Auge. Kosten: 2.000 €.

Doppelkinn entfernen. Unter dem Kinn wird mit einer Kanüle eingestochen. Das Fettgewebe wird entweder mit Ultraschall aufgelöst oder durch ein eingespritztes chemische Präparat verflüssigt, bevor abgesaugt wird. Narkose: lokal. Klinikaufenthalt: eine Nacht. Kosten: 2.500 €.

Großes Facelifting. Der große Lift erfordert beim Mann wegen des Bartwuchses andere Techniken als bei der Frau. Überflüssige Wangenhaut kann beispielsweise nicht ins Ohr gezogen werden, weil sonst dort Bart wächst. Glatzenträger können kaum geliftet werden, weil man die Narben sieht. Beim großen Facelifting wird ein vier bis acht Zentimeter langer Schnitt senkrecht vor dem Ohr angelegt. Dann werden bis zu acht Zentimeter Haut auf jeder Seite abgeschnitten. Schlaffe Halshaut wird hinters Ohr gezogen. Stirnfalten und abgesackte Augenbrauen werden mit Hilfe eines Schnitts im Haaransatz über die gesamte Stirnbreite gestrafft.
Ganz neu ist die endoskopische Hebung der Stirn: Dabei wird durch zwei kleine Einschnitte im Bereich der Geheimratsecken die gesamte Schädelhaut einschließlich der untersten Schicht von innen her abgehoben. Durch den großflächigen Eingriff vernarbt die Unterhaut und zieht sich zusammen.

Beim Facelifting gibt es drei Techniken:

  1. Nur die oberste Hautschicht wird abgehoben und gestrafft.
  2. Die oberste Hautschicht wird einschließlich der sogenannten SMAS-Schicht (SMAS steht für Superfacial musculo aponeurotic system) gelöst und neu fixiert.
  3. Die Haut wird einschließlich der Muskeln und der Knochenhaut gelöst und gestrafft.

Die meisten Ärzte arbeiten mit der SMAS-Methode. Sie garantiert eine Haltbarkeit von sieben bis acht Jahren. Dann muss neu geliftet werden. Narkose: Vollnarkose. Operationsdauer: zwei Stunden. Klinikaufenthalt: zwei bis drei Tage. Kosten: bis 10.000 €.

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